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Viagem no Douro – eine kleine Weinreise ins Douro-Tal

Von Noemie Causse am

Wir von Maître Philippe et filles sind immer auf der Suche nach spannenden neuen Produkten, die unser Herz erobern und die wir unseren Kunden anbieten können. Dabei liegt unser Schwerpunkt natürlich auf französischer Feinkost, doch wenn es anderswo interessante Produkte zu entdecken und zu erschmecken gibt, sind wir neugierig und schauen uns das genauer an … Portugal scheint in dieser Hinsicht eine echte Schatzkiste zu sein!

Bereits seit einiger Zeit haben wir die fantastischen Alento-Weine von Luis Louro aus dem Alentejo in unserem Programm und seit Beginn der Spargelzeit auch den tollen Vinho Verde von der Quinta de Teamonde aus dem Norden des Landes. Komplett machen wollten wir diese kleine Auswahl durch Wein aus dem berühmten Douro-Tal, der vielen bereits ein Begriff sein dürfte. Also haben wir relativ kurzentschlossen einen Flug gebucht, unsere Koffer gepackt und uns mit der Familie auf den Weg gemacht ...


Am Flughafen in Berlin bei 16° ...

... am Bahnhof von Peso da Régua bei 28°!

Das Douro-Tal liegt im Norden Portugals und verdankt seinen Namen dem gleichnamigen Fluss, der wie eine blaue Lebensader durch das Tal fließt. Das Douro-Tal zählt zu den bekanntesten Weinregionen Europas und gehört seit 2011 zum Unesco-Welterbe. Tatsächlich ist es die älteste geschützte Weinbauregion der Welt: Hier legte der Marquês de Pombal im Jahre 1756 die Qualitätsmerkmale für Wein und Weinanbau fest. Früher war das Douro-Tal vor allem für Portwein bekannt, doch inzwischen werden hier immer mehr sehr gute, vor allem rote Weine produziert, die weltweit mehr und mehr Kritiker und glückliche Trinker erfreuen.

In diesem äußerst grünen und fruchtbaren Tal sammelt sich also nicht nur die Hitze, sondern vor allem viel Geschichte, viel Know-how und viel guter Wein!


Blick ins Douro-Tal

Unsere Reise begann mit einem kurzen Zwischenstop in Porto und führte uns dann weiter nach Peso da Régua, einer kleinen Stadt im Landesinneren, rund 120 Kilometer östlich von Porto. Hier schlugen wir unser Lager auf, um in den nächsten Tagen ausgesuchte Winzer und ihre Weine kennenzulernen.

Blick aus unserem Fenster

Den Anfang machten die Schwägerin unseres Gastgebers und ihr Mann mit einer ganz spontanen Weinprobe am Abend unserer Ankunft. Denn natürlich besitzen auch sie ihre eigenen Weinberge. Unter der Marke Arcadela produzieren sie herkunftsgeschützten Douro-Wein und Portwein, den sie in mehrere europäische Länder exportieren. Die Ausnahme ist der Portwein. Der ist – wie wir in den folgenden Tagen noch oft zu hören bekommen sollten – “only for family and friends” ...

Wir probierten einen Weißwein, einen klassischen roten Alltagswein, einen Reserva und ihren Tawny-Porto.
Unser Fazit: wahnsinnig nette Menschen und sehr guter bodenständiger Wein.

Die Weine von Arcadela 

Weiter ging es am nächsten Tag, gleich früh um 10 mit der Quita do Judeu, wo wir von André Marinho Pinto empfangen wurden, der die Quinta mit seiner Frau betreibt. André ist 38 Jahre alt, ein ausgesprochen sympathischer und entspannter Typ und spricht Portugiesisch mit leichtem brasilianischem Akzent. Genau wie seine Frau gehört er zu den sogenannten “Heimkehrern”, in Brasilien geborene Portugiesen, die in ihren frühen Zwanzigern zurück ins Mutterland ihrer Eltern kamen und sich hier eine Existenz aufgebaut haben.

Umgebung der Quinta do Judeu

Die Quinta do Judeu verdankt ihren Namen einer alten römischen Steinstatue eines Juden, von der niemand so genau weiß, was es damit auf sich hat … Die Quinta befindet sich seit langem im Familienbesitz, wurde aber bis in die frühen 2000er nicht bewirtschaftet. Erst 2004 vermachte der Vater von Andrés Frau dem Paar die Quinta. Unter Aufwand massiver Investitionen (u.a. mithilfe von EU-Subventionen) restaurierten die beiden das Anwesen und machten Haus, Weinberge und Anlagen wieder flott. Seitdem betreiben sie die Quinta mithilfe eines Önologen und eines professionellen Winzers. Die beiden selbst sind Quereinsteiger aus Wirtschaft und Marketing. Der stimmige Auftritt der Marke reflektiert ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet.

Die Quinta do Judeu und die namensgebende Statue (die neue Version von einem lokalen Künstler – das original wurde gestohlen)

Auf der Quinta do Judeu werden vier Weine aus autochthonen Rebsorten produziert, die auf A- und B-Lagen wachsen: ein Weißwein, ein Alltags-Rotwein ("Corgo") und zwei Rotweine auf Reserva-Level, die allerdings nicht als solche deklariert werden ("By Quinta" und "Quinta do Judeu").

Die Weine der Quinta do Judeu

Zunächst empfing uns André auf der Quinta und zeigte uns die ganze Anlage. Los ging es mit den Lagares. Das sind große Granittröge, in denen die Trauben durch Treten zerdrückt werden, ohne dass die Kerne dabei zertreten werden. So erhält der Wein seine schöne intensiv-rote Farbe, aber es gelangen keine zusätzlichen Gerbstoffe und Tannine in den Wein. Diese alte Methode liefert tatsächlich sehr viel bessere Ergebnisse als alle anderen mechanischen Methoden.


Die Lagares

Ein interessantes Detail: Auf der Quinta do Judeu sind alle Teile der Anlage so aufgestellt, dass die Schwerkraft, so weit es geht, ausgenutzt wird. So befinden sich die Edelstahltanks und Fässer in einem tiefergelegten Raum und der Wein kann aus den Lagares direkt nach unten fließen, ohne das er gepumpt werden muss. In einem weiteren Teil der Anlage befinden sich Lager, Packstation und der Verladebereich, von wo aus die Bestellungen in die ganze Welt geliefert werden. Etwa 90 % der Produktion gehen ins Ausland, unter anderem nach Brasilien, China, Belgien, Deutschland, Irland, in die Schweiz …

 

Hier lagert der Wein – in Flaschen und in Fässern

Als nächstes stiegen wir alle zusammen in Andrés Jeep, um uns seine Weinberge aus der Nähe anzusehen. Eines der Hauptmerkmale dieses Anbaugebiets sind die sehr steilen Hänge, die das Arbeiten mit Traktoren und Maschinen oft unmöglich machen und die Handlese erzwingen. Auch die Weinberge der Quinta do Judeu liegen in Terrassenform an den Steilhängen des Douros. 

Insgesamt erstrecken sich die drei Weinberge über 27 Hektar, die ziemlich verstreut und auch teilweise weit entfernt von der Quinta liegen, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Jetzt im Mai ist gerade nicht so viel los in den Weinbergen: Die Reben werden beschnitten, festgebunden und im Rahmen der gemäßigten Schädlingsbekämpfung behandelt.

André erklärt uns die Arbeit auf dem Weinberg

 

Die Weinberge auf den steilen Hängen

Erst im Herbst geht es hier wieder hoch her, denn dann ist Erntezeit. Dann werden zahlreiche Saisonarbeiter, viele von ihnen aus Osteuropa, eingestellt, die zu einem Stundenlohn arbeiten, der den deutschen Mindestlohn übersteigt. Allerdings ist die Arbeit auch wirklich schwer und das Thermometer klettert regelmäßig auf über 40°C … selbst hartgesottene Arbeiter geben manchmal vorzeitig auf, sagt André.

„The wine is the boss: When it sleeps, we sleep, when it needs work, we work“
(André Marinho Pinto)

Ehrlich gesagt können wir uns schon bei 34°C kaum vorstellen, mit einem schweren Korb auf dem Rücken hier herumzuturnen. Und so lauschen wir lieber weiter Andrés Ausführungen und genießen die atemberaubende Aussicht …

Panorama-Blick vom Aussichtspunkt São Leonardo

Nach diesem Ausflug werden wir in Régua in ein kleines verstecktes Restaurant geführt – ein Geheimtipp der Locals. In entspannter 70er-Jahre-Atmosphäre mit kompetenten und freundlichen Kellnern und einem fantastischen Essen (u.a. Bacalhau und gegrillter Oktopuss) kommen wir nun endlich in den Genuss der Weine.


Bei der Weinprobe

Besonders interessant sind für uns der "Corgo" und auch der 2012er-Weißwein, der mit Trauben von 85 Jahre alten Reben produziert wird. Ein absoluter Winterwein, der in dem klimatisierten Raum nicht Fehl am Platz wirkt. Er ist schön rund, fett, voll und hat eine leichte Süße. Zu den Speckpilzen, die wir als Vorspeise bekommen, passt er ausgezeichnet.

Der 2013er-Corgo ist ein toller Alltagsrotwein mit viel Charakter und 14% Alkohol, die man ihm aber nicht anmerkt. In der Nase dominiert der Touriga Nacional, der eine schöne florale Note mitbringt. Im Mund erfreut der Wein durch eine leichte Säure und subtile Tannine. Wir können ihn uns gut zu jeder Art von Speisen vorstellen, finden aber, dass er nicht zwingend durch Essen begleitet werden muss. Anders natürlich die beiden höher preisigen und schwereren Rotweine "By Quinta" und "Quinta do Judeu".

Unser Fazit des Treffens: ein interessantes und angenehmes Unternehmen mit fantastischen Weinen – Bingo!


Der zweite Termin des Tages steht am Abend auf der Quinta do Monte Travesso an. Sie befindet sich auf der anderen Seite des Douro, wo laut André zwar die Straßen besser sind, aber die Weine schlechter, weil es die Schattenseite ist und die Hänge nicht immer ganz so steil  … :)
Tatsächlich sind die Weinberge dieser Quinta weniger steil, aber ihre Weine müssen sich wirklich nicht verstecken!

Die Weinberge der Quinta do Monte Travesso

Die Quinta do Monte Travesso wird von Bernardo Napolés und seinem Vater José geführt und befindet sich schon seit 5 Generationen im Besitz der Familie Napolés de Carvalho, einem altem portugiesischen Landadelsgeschlecht. Die Quinta stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und atmet Geschichte aus jedem Winkel. Alle Räume – selbst die bewohnten – wirken wie aus einem Museum: Überall stehen alte Artefakte des Wein- und Landbaus, sowie die mit Orden behangene Uniform des Urgroßvaters und von ihm mitgebrachte Souvenirs aus Asien (er war Kommandant in Macau). Eine hauseigene Privatkapelle mit imposantem Altar darf da natürlich auch nicht fehlen. Er selbst wurde auch schon hier getauft, erzählt uns José stolz.

  

Im Museum ... 

Bernardo, der das Familienunternehmen federführend repräsentiert, arbeitet schon immer im Weinbusiness. Seine Zeit teilt er sich auf zwischen dem Familienunternehmen und der großen portugiesisch-britischen Portwein-Gruppe Symington, für die er beratend tätig ist.

Unsere Weinprobe beginnt schon beim ungezwungenen mehrsprachigen Smalltalk auf der Terrasse mit einem hervorragenden Rosé – eine Rarität in der Region, die sonst eher auf Rotwein setzt


Der Rosé Monte Travesso vor passender Kulisse

Dann beginnt Bernardo mit einer kleinen Führung über das Anwesen. Zwar ist hier alles sehr viel traditioneller als auf der Quinta do Judeu, doch man merkt, dass der Sohn einen frischen Charakter in das Unternehmen bringt. Nicht nur die Flaschen und ihre Kartons sind recht minimalistisch, auch der Einsteigerwein Travesso überrascht mit einem sehr modernen und verspielten Etikett, das im Gedächtnis bleibt.


Der Travesso

Die Traubenpressen – leider leer.

Nach einem Rundgang über die Außenanlage geht es zu den Lagares und den Edelstahl-Fässern, wo wir den 2013-er Monte Travesso-Rotwein und den roten Reserva 2014 probieren. So direkt aus dem Tank inmitten von Schläuchen und anderem Gerät schmeckt so ein Wein noch mal ganz anders – ein schönes Erlebnis!


Bernardo schenkt aus und erklärt seine Arbeit

Dann setzen wir uns mit der ganzen Familie, inklusive Bernardos Mutter Theresa und seiner Schwester Ana, die übrigens alle Etiketten klebt, an den gedeckten Tisch inmitten des traditionell dekorierten Esszimmers. Es gibt von Theresa zubereitete portugiesische Hausmanns-Spezialitäten und natürlich den Wein.

Das Angebot umfasst insgesamt fünf Weine ("Travesso", den roten Einsteiger-Wein; die drei Monte Travesso-Weine in weiß, rosé und rot; den Reserva), sowie einen Portwein – “only for friends and family” –, eine interessante Mischung aus Ruby und Tawny.

Am besten von allen hat uns erstaunlicherweise der Rosé gefallen. Er ist sehr charaktervoll, schön weinig und hat eine tolle intensive Farbe, wie frisch zerdrückte Himbeeren oder Grenadine. Er geht gut als reiner Drink durch, passt aber auch als Begleiter zu leichten bis gehaltvollen Speisen.

Unser Fazit: eine warmherzige Familie, eine interessante Familie, spannende Weine!

...

Kopf und Herz voller Eindrücke kehren wir nach drei aufregenden Tagen glücklich nach Berlin zurück. Unsere Ausbeute sind mindestens ein neuer Rosé und ein schöner roter Wein nicht nur für den Herbst. Wir haben gelernt, unter welch teilweise sehr schwierigen Umständen im Douro-Tal der Wein entsteht, den wir uns einige Tausend Kilometer entfernt so unbekümmert ins Glas gießen und der uns so erfreut.
Außerdem haben wir überaus freundliche Menschen kennengelernt, u.a. auch unseren Host Roberto von der Casa Grande do Serrado in Sanhoane (eine Viertelstunde von Régua entfernt), wo wir zwei Nächte geschlafen haben, seine Nachbarn, die uns ungefragt einen Korb voll frischer Orangen und Zitronen aus ihrem Garten geschenkt haben, Edith, die rundlich-herzliche Köchin des Dorfes, die uns mit ihrem selbst zubereitetem Bacalhau und Kartoffel-Chips ein abendliches Festmahl bereitet hat und so viele andere …

Das Douro-Tal ist auf jeden Fall eine Reise wert und wir werden bestimmt wiederkehren. Wer das nicht so schnell einrichten kann, dem legen wir fürs Erste einfach unsere neuen Weine ans Herz. Saúde!

 

 

 

 


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