September 11, 2019

⟿ Und hier geht es direkt zu den Weinen


Im Mai waren meine Frau und ich wieder in Portugal, wieder nördlich von Porto. Uns gefällt es dort sehr gut. Es ist nicht ganz so touristisch wie Lissabon und wir lieben Matosinhos, weil man dort bekanntlich den besten Fisch Portugals essen kann.
Ich bin seit Anfang Januar im Ruhestand, doch es juckt mich noch oft, etwas für den Laden zu tun. Am liebsten bin ich als Wein-Scout aktiv. Das passiert sowieso automatisch.Ich kann es einfach nicht lassen.
Mit Maître Philippe & Filles sind wir in Sachen „Weine aus Portugal” echte Pioniere in Berlin; besonders, wenn es um noch unbekannte aber sehr begabte Winzer(innen) geht. Seit Jahren gehen wir regelmäßig auf die Off-Weinmesse „Simplesmente” in Porto und haben dort sehr viele, sehr interessante und sehr gute Weine probiert. Einige von ihnen haben wir seitdem in unser Sortiment aufgenommen. Für uns ist der Besuch dieser Veranstaltung so etwas wie eine Pilgerfahrt, auf die wir uns das ganze Jahr über freuen. Auf der „Simplesmente” trifft man natürlich nicht nur Winzer, sondern auch viele Händler-Kollegen, mit denen man sich freundschaftlich austauscht. Einer von ihnen ist Tiago „Glouglou” Barbosa, ein Portugiese aus Paris, der mit einer schönen Auswahl an interessanten Winzern zusammen arbeitet. Von Tiago erhielten wir diesmal einen echten Geheimtipp.

Man muss schon verrückt und mutig sein, um Weine in solch einer kargen und unwirtlichen Region zu machen. Doch genau das ist es, was uns an Portugal so gefällt: Es ist kein Mainstream und das ist sehr gut so.

Er empfahl uns das Projekt „Arribas Wine Company” in der Region Trás-os-Montes (port. „hinter den Bergen”) im Nordosten des Landes zu besuchen. Diese Region lebt von der Landwirtschaft. Hier ist alles voller Feigen, Mandeln, Oliven und natürlich auch voll von Weinbergen. Die Sommer sind sehr heiß und trocken und die Winter kalt, was sehr gut für den Weinanbau ist.
Das Projekt „Arribas Wine Company” hat seine gepachteten Weinberge rund um Bemposta. Die Macher sind zwei Freunde, Ricardo Alves und Fred Machado, die mit viel Energie, körperlichem Einsatz, Leidenschaft und Wissen ihr Projekt vorantreiben. Wir wurden an einem Sonntag sehr warmherzig empfangen und Ricardo fuhr uns mit seinem alten Geländewagen auf Eselswegen gleich zu den Weinbergen. Die Rebstöcke sind mit 80 bzw. sogar 100 Jahren schon sehr alt und geben nicht mehr viel Ertrag ab. Aufgrund des sehr steilen und felsigen Untergrundes können keine Maschinen eingesetzt werden, alles muss von Hand bearbeitet werden. Bei den Rotweine handelt es sich immer um sogenannte „Field-Blends”. Als solche bezeichnet man ein Mischsatz von roten und weißen Trauben wie das Photo sehr gut zeigt.

Wie so oft in Portugal werden ausschließlich lokale autochtone Rebsorten verwendet, darunter Tinta Gorda, Tinta Serrana, Rufete, Alvarelhão, Bastardo, Malvasia, Verdelho, Verdelho Vermelho, Bastardo Branco, Formosa und Posto Branco. Die Weine sind authentisch und schmecken einzigartig, zudem haben zudem nur wenig Alkohol. Der erste Wein des Projekts von 2017 war der roter Saroto, mit nur 11% Vol. Alkohol. Der 2018 roter Saroto hat nur 11,5 Vol. Alkohol!

Mittlerweile gibt es auch eine weiße Version des Saroto, der im Mai kurz vor der Abfüllung stand. Die Weine werden nicht filtriert und kommen relativ spät in die Flasche. Der rote Saroto 2018 wurde im Juli 2019 abgefüllt. Die Mengen sind sehr begrenzt. Deshalb haben wir gleich zugeschlagen und eine Palette mit je 300 Flaschen vom roten und weißen Saroto gekauft. Damit haben wir unser Jahreskontingent erschöpft. Mehr gibt es einfach nicht.
Ricardo Alves und Fred Machado, Arribas Wine Company

Man muss schon verrückt und mutig sein, um Weine in solch einer kargen und unwirtlichen Region zu machen. Doch genau das ist es, was uns an Portugal so gefällt: Es ist kein Mainstream und das ist sehr gut so. Die Philosophie der „Arribas Wine Company” lautet: „Unser Ziel ist es, authentische, leichte und gefällige Weine herzustellen. Aus diesem Grund versuchen wir, so wenig wie möglich einzugreifen.” Und das kommt gut an: Die Weine sind bereits in vielen der besten Restaurants Portugals vertreten. Jetzt ist Berlin dran!

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