Auf Entdeckungs-Weinreise im Douro und Dão | Maître Philippe & Filles

Ende September bin ich mit meiner Frau erneut (zum vierten Mal dieses Jahr!) nach Portugal geflogen, um mich noch tiefer in die Materie der portugiesischen Weine einzugraben und mich diesmal auch in der Region Dão umzutun. Um gleich alle sorgenvollen Stimmen zu beruhigen, die fürchten, ich sei nun kein echter Franzose mehr: keine Sorge, die Gefahr besteht nicht. Nichtsdestotrotz haben wir vor, das Weinprogramm von Maître Philippe & Filles neu zu gestalten, besser zu kuratieren, um Ihnen ein noch besondereres Angebot präsentieren zu können. Dazu gehört, dass wir den Anteil französischer Weine etwas herunterfahren, wobei wir große Sorgfalt darauf verwenden, Ihnen nur ausgezeichnete, bezahlbare und besondere Weine aus vorwiegend Direktimporten anzubieten, die Sie so sonst nirgends in Deutschland bekommen. Gleichzeitig werden wir das Programm der portugiesischen Weine ausbauen. Ich werde nicht so weit gehen, zu behaupten, Portugal sei die neue Toscana, doch das Land schafft es wie derzeit kein zweites, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Tradition einerseits und der Zukunft mit ihren modernen Weinen andererseits zu etablieren. Sie als unsere Kunden können davon nur profitieren, zumal Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich überzeugen.

Diesmal führt uns unsere Tour erneut ins Douro-Tal, das wir bereits im Sommer bereist haben, und anschließend in die etwas weiter südlich im Landesinneren gelegene Region Dão.
Unseren ersten Termin haben wir mit Pedro Maria Barbosa in Vila Nova Foz de Cõa im Douro Alto. Pedro ist auf der Quinta do Vale Meão für alle Details des Weinbaus zuständig und besitzt selbst ein paar Weinberge in Amarante, von denen er seinen eigenen Wein produziert. Unterstützung erhält er dabei vom Önologen der Quinta do Vale Meão.
Besonders begeistert sind wir von Pedros fantastischem Vihno Verde namens „Clip“ aus der autochthonen Rebsorte Loureiro (Lorbeer), der vielleicht unseren aktuellen Vinho Verde ersetzen wird. Er ist leicht, schön fruchtig und hat nur 11% Alkohol. 

Wir probierten ihn auf der Terrasse des Douro-Museums in Foz Cõa, von der aus wir einen herrlichen Ausblick über die Flüsse Douro und Cõa hatten. Dazu aßen wir typische portugiesische petiscos und fühlten uns wie Gott in Portugal ;) 

Meine Frau Evelyne und Pedro Maria Barbosa Evelyne und Maître Philippe bei Pedro Maria BarbosaVinho Verde "Clip"Pedros Weinberge  Pedros Weinberge Die Trauben für den Vinho Verde

Am Abend fuhren wir dann zu Rita Marques Ferreira, deren Weine (Conceito, Contraste, Bastardo und die Portweine) wir bereits im Programm haben und die Teil der Gruppe "Young Portuguese Winemakers" ist. Ritas Weinberge befinden sich in Cedovim auf einer Höhe zwischen 500 und 700 Metern. Die roten Trauben wachsen auf Schiefergestein, die weißen auf Granit.
Als wir gegen 19 Uhr bei ihr eintrafen, waren sie und ihre Mannschaft gerade dabei, zu lautem Heavy-Metall-Sound und mit einem Glas Gin in der Hand, die Kelleranlagen zu säubern. Hier zeigt sich schon sehr deutlich, dass eine neue Generation von Winzern inzwischen das Kommando hat.

Rita Marques Ferreira

Ihr Antrieb ist Leidenschaft. Leidenschaft für ihren Beruf und die Vision, die Tradition des portugiesischen Weinbaus mit den im Ausland erworbenen Kenntnissen und Techniken zu verbinden, um Ausnahme-Weine zu produzieren und Portugal wieder an die Spitze von Europas Wein-Ländern zu befördern. Dementsprechend sind die Arbeitszeiten für Rita, ihre Önologen und Freunde recht ausgefallen: während der Fermentation (natürlich und spontan) übernachten sie in den Kellern, um darüber zu wachen, dass die Temperaturen nicht zu hoch klettern.

Nach einer spontanen Weinprobe der neuen Weine (Brut, Cuvée und Portweine), wurden wir zum Abendessen mit der ganzen Familie eingeladen. Es war uns ein großes Vergnügen, nun auch Ritas Mann Luís, ihre beiden gemeinsamen Kinder, Ritas Mutter (mit der alles begann), ihren Großvater, die Önologen und Freunde und nicht zu vergessen, die Hausangestellte Fatima (Köchin, Hausangestellte und Kindermädchen in Personalunion) kennen zu lernen. Nach dem Essen kehrten wir in unser Klosterhotel zurück – während für Rita und ihre Truppe die Nacht im Keller endete.

Nach einem Tag Auszeit setzen wir unsere Route fort und fahren ins Dão, das man auch als das Burgund Portugals bezeichnen kann. Das Anbaugebiet liegt auf einem Hochplateau (400 bis 600 Meter) mit vorwiegend granitischen Gesteins- und Sandböden, das von drei Bergkämmen umschlossen und geschützt wird.
Hier wollen wir vor allem Antonio Madeira treffen, einen Franco-Portugiesen aus Paris, dessen Familie aus Gouveia stammt, einer Kleinstadt aus der Region Centro. Außerdem möchten wir unbedingt Alvaro Castro von der Quinta da Saes kennenlernen. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, und treffen einfach beide zusammen, was kein Problem ist, da sich die beiden gut kennen und auch gemeinsam Weine produzieren. So produziert Antonio alle seine Weine mithilfe von Alvaros Önologen Luís Miguel, den wir bereits auf der Weinmesse in Lissabon kennen gelernt hatten: seine Weißweine produziert er bei Alvaro, da dessen Anlage über die notwendige Ausrüstung verfügt, die diese delikaten Weine erfordern. Die roten Weine stellt er in seinem eigenen Keller her. 

Antonio Madeira in den Weinbergen

Antonio ist erst am Vorabend unseres Termins aus Lissabon zurück gekehrt. Wir treffen ihn bei der Arbeit an: gerade ist er damit beschäftigt, seine Rotwein-Cuvées zu stampfen und die Temperaturen zu kontrollieren. Für uns unterbricht er seine Arbeit und fährt mit uns raus in die Weinberge. Antonio ist das, was man als einen Garage Winemaker bezeichnet. Das heisst, er besitzt selbst keine eigenen Weinberge, sondern mietet sie von seinen Freunden, Verwandten und Nachbarn. Und die anfallende Arbeit wird von der ganzen Familie gemeinsam erledigt: Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, die Schwiegereltern … alle packen mit an. Das besondere an Antonios Weinen ist, dass er zur Zeit fast ausschließlich mit sehr alten Reben arbeitet, die es nur noch in dieser Region gibt. Wir werden dem ganzen Team vorgestellt. Dann stößt noch eine Journalistin dazu, die gerade an einem Buch zum Thema alte Reben schreibt und Antonio führt uns zu einigen seiner über hundert Jahre alten Reben.

Evelyne und Antonios Vater in den Weinbergen Antonios Weinberge

Zurück in seinem Weinkeller dürfen wir den frischen Ansatz seiner Weine und die bereits weiter fortgeschrittenen Weine probieren. Anschließend werden wir zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Etwa 11 bis 12 Personen quetschen sich in die kleine Küche, es gibt Bacalhau mit Zucchini aus dem Garten, den bekannten portugiesischen Käse von der Serra da Estrela und natürlich Antonios Wein, auf den die ganze Familie so stolz ist. 

Unsere letzte Station führt uns zu Luís Pato, dem König des Baga, dessen Familie bereits seit dem 18. Jahrhundert Weine herstellt. Besonders interessieren uns seine fantastischen Schaumweine im Stil von Crémant, aus der berühmten Baga-Traube, aus Touriga Nacional und Maria Gomes. Dafür fahren wir in die Region Bairrada, westlich vom Dão, zwischen Coimbra und Aveiro. Wir treffen Luís und seine jüngste Tochter Maria, die uns schon einmal in Berlin besucht hatte, und werden von ihnen zu einer umfassenden Probe ihrer Weine eingeladen, an der neben uns auch einige japanische und kanadische Sommeliers teilnehmen. Unser Fazit: Pato wird nicht umsonst als König des Baga bezeichnet! Uns begeistern vor allem seine "Espumantes", schäumende Weine, die sich durch eine besondere Feincremigkeit auszeichnen. Den schäumenden Maria Gomes von 2014 und den schäumenden Baga Rosé von 2012 haben wir gleich bestellt haben und freuen uns jetzt schon darauf, sie sehr bald in unserem Sortiment begrüßen zu können. 

Weine von Luis Pato Rebel by Luis Pato

Man sieht also: hier gibt es noch viel zu entdecken ... Und das möchten wir gern mit Ihnen teilen!
Deshalb können Sie die schönsten Weine unserer Erkundungstouren im Rahmen einer Festa Portuguesa probieren, die am 16. und 17. Oktober bei uns stattfindet. Zu diesem Anlass besuchen uns die drei Winzer Luis Louro aus dem Alentejo, dessen Alento-Weine Sie schon kennen und lieben, Rita Marques Ferreira, die von Leidenschaft getriebene Heavy-Metall-Winzerin vom Weingut Conceito ("Konzept"), sowie Antonio Madeira. Sie schenken ihre Weine aus (Rita und Luis an beiden Tagen, Antonio am Samstag) und berichten über die "Revolution am Douro", Fluch und Segen autochthoner Rebsorten und warum Winzer mehr reisen sollten. Nebenbei können Sie über 10 offene Weine probieren und unsere Gäste im persönlichen Gespräch (alle drei sprechen Englisch) fragen, was Sie schon immer über portugiesischen Wein wissen wollten …